
Die diesjährige Delegationsreise nach Saint-Lô stand erneut ganz im Zeichen der Erinnerungskultur und der gelebten Freundschaft zwischen den Partnerstädten. Unter der Leitung von Oberbürgermeister Frederick Brütting waren vom 4. bis zum 7. Juni Pit Peschel und Hermann Schludi als Vertreter des Gemeinderats, sowie Claudia Thebrath als Vertreterin des Städtepartnerschaftsvereins in Aalens französischer Partnerstadt, um an den jährlich stattfindenden offiziellen Gedenkfeierlichkeiten teilzunehmen.
Auch eine Delegation aus Aalens belgischer Partnerstadt Saint-Ghislain war vor Ort, um gemeinsam der Ereignisse des 6. Juni 1944 zu gedenken. Ein besonders eindrückliches Zeichen der Freundschaft zwischen den Partnerstädten war die Teilnahme an der „Voie de la liberté“, einer Radtour mit etwa 250 Teilnehmern, die die Strecke von Sainte-Mère-Église an der normannischen
Küste bis Bastogne in Belgien abfahren, zusammen mit Vertretern aus Großbritannien und sogar den USA, da diese Strecke den Weg der amerikanischen Befreier nachzeichnet. Die Stadtoberhäupter aller drei Städte schwangen sich aufs Rad, um einen kleinen Teil der Strecke gemeinsam mit dem bunt gemischten Teilnehmerfeld zu bestreiten
Weitere Gedenkfeiern galten den Opfern unter der Zivilbevölkerung und den Widerstandskämpfern, sowie den bei der Zerstörung des Gefängnisses umgekommenen Gefangenen. Bewegende Momente des Innehaltens und des sichtbaren Zusammenhalts der heutigen Partner, die gemeinsam Kränze niedergelegt haben. Ein weithin sichtbares Zeichen des Wiederaufbaus stand ebenfalls auf dem Programm: der Besuch des mit Unterstützung der amerikanischen Regierung und Bevölkerung errichteten Krankenhauses, das in diesem Jahr sein 70-jähriges Bestehen feiert. Ein Gebäude, das nicht nur der Heilung körperlicher Wunden dient, sondern auch der seelischen, da es wie kaum ein anderes Gebäude in der damals fast vollständig zerstörten Stadt für Frieden und Versöhnung sowie den Wiederaufbau steht. Die vom Direktor des Krankenhauses und dem ärztlichen Leiter begleitete Führung zeigte sehr deutlich, wie vorbildlich dieses Krankenhaus zu seiner Zeit war, in medizinischer wie architektonischer Hinsicht. Künstlerischer Ausdruck für die Aussöhnung ist das vom französischen Künstler Fernand Léger entworfene Mosaik, vor dem die Delegationen der drei befreundeten Städte stehen (siehe Bild).
Der Austausch untereinander, die Entwicklung neuer Perspektiven und Projekte und natürlich der freundschaftliche Zusammenhalt aller Delegationen unterstreicht, wie wichtig damals wie heute Städtepartnerschaften sind. Oberbürgermeister Brütting zitierte den französischen Generalkonsul Gaël de Maisonneuve, der sagte: „Was bleibt von einem Krieg, wenn die Waffen
schweigen? Ruinen, Tränen, zerbrochene Leben. Aber manchmal auch eine geteilte Erinnerung, ein gemeinsamer Wille, nie wieder unterzugehen“ und ergänzte: „Dieser gemeinsame Wille ist es, der uns heute in Saint-Lô als Freunde zusammenbringt.“ Die Stadt Aalen und der Städtepartnerschaftsverein setzen viel daran, dass diese Freundschaft weiterhin sehr lebendig bleibt.
Quelle: Stadt Aalen
